KI in Schweizer Unternehmen: Zwischen Aufbruch und Realität
KI ist in der Schweizer Wirtschaft angekommen Aber nicht jedes Unternehmen weiß, wie es den nächsten Schritt gehen soll. Während einige Firmen bereits KI-gestützte Prozesse ausrollen, stehen andere noch vor grundlegenden Fragen: Lohnt sich der Einstieg jetzt? Bremsen uns Regulierung und Datenschutz oder bringen sie uns sogar voran?
Um genau diese Fragen zu diskutieren, haben wir im ASC Roundtable „KI in Schweizer Firmen: Auf dem Sprung oder schon mittendrin?“ erstmals führende Stimmen aus Technologie, Compliance und Unternehmenspraxis an einen Tisch gebracht:
- Bettina Huwiler (Industry Advisor Financial Services, Microsoft)
- Dr. Gerald Kromer (CEO, ASC Technologies)
- Thomas Peyer (Founding Partner & CTO, MondayCoffee)
In einer offenen, pointierten Diskussion teilten sie Erfahrungen aus Projekten, sprachen über überraschende Stolpersteine und darüber, wie Schweizer Unternehmen ihre KI-Strategien zukunftssicher machen können.
Der ASC Schweiz Roundtable mit Microsoft und MondayCoffee
Falls Sie den Roundtable bereits verfolgt haben, finden Sie hier die Quintessenz in fünf zentralen Learnings. Wenn Sie nicht dabei waren, verpassen Sie nichts: Die komplette Aufzeichnung können Sie jederzeit bei uns anfordern. Dieser Beitrag bietet Ihnen zugleich einen prägnanten Vorgeschmack auf die Diskussion und macht deutlich, warum genau jetzt der richtige Moment ist, um den nächsten Schritt in Richtung KI zu gehen.
Vom KI-Hype zur Pflicht: Jetzt handeln statt aufholen
KI ist in der Schweiz keine Zukunftsmusik mehr, sondern Pflicht. Noch vor wenigen Jahren galt der Markt als konservativ und zögerlich, doch seit Corona hat sich das Blatt gewendet. Besonders der Finanzsektor hat beim Thema Cloud aufgeholt und bewegt sich heute auf Augenhöhe mit internationalen Vorreitern. Damit ist die Basis geschaffen, KI sinnvoll einzusetzen.
„Entweder ich setze mich damit auseinander und übernehme die Führungsrolle in der Innovation, oder ich falle zurück“, fasste Gerald Kromer im Roundtable die Dringlichkeit zusammen.
Besonders in Branchen mit hohem regulatorischem Druck, internationalem Wettbewerb und engem Margenspielraum ist KI heute keine Option mehr, sondern eine Minimalanforderung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Entscheidend ist dabei nicht, ob man KI einsetzt, sondern wie schnell und wie gezielt dies geschieht. Unternehmen, die frühzeitig starten, sammeln wertvolle Erfahrung, optimieren kontinuierlich und sichern sich so einen Vorsprung: technologisch, organisatorisch und kulturell.
Regulierung: Treiber oder Hemmschuh für KI in der Schweiz?
Strenge Vorschriften können den Einsatz von KI zunächst bremsen. In regulierten Branchen wie im Finanzsektor, Gesundheitswesen oder Versicherungen sind Anforderungen wie DORA, DSGVO und nationale Vorgaben zur Data Sovereignty komplex und ressourcenintensiv. Projekte kommen nur langsam voran, da Freigaben, regulatorische Prüfungen und Sicherheitsauflagen umfassend berücksichtigt werden müssen.
Im Roundtable wurde jedoch deutlich, dass Regulierung nicht nur ein Hindernis ist. Gerald Kromer betont, dass klare Rahmenbedingungen Unternehmen dazu zwingen, ihre Datenqualität, Prozesse und Sicherheitsarchitektur gezielt zu optimieren und zukunftsfähig auszurichten. Der Vorteil: Wer seine Daten und Prozesse im Zuge der Regulierung auf ein tragfähiges Fundament stellt, schafft damit genau die Voraussetzungen, um KI zuverlässig und skalierbar einzusetzen.
Ein Beispiel: Microsoft hat 400 Millionen in Schweizer Datacenter in Zürich und Genf investiert. Damit bleiben sensible Daten im Land und schaffen Vertrauen für KI-Projekte in kritischen Branchen. Als Microsoft-Partner nutzt ASC diese Grundlage, um Kundenlösungen auf einer sicheren und zukunftsfähigen Basis zu entwickeln.
Der Erfolgsweg: Kleine Schritte und klar definierte Use Cases
Wer klein anfängt, kommt oft schneller ans Ziel. Erfolgreiche KI-Einführungen beginnen selten mit groß angelegten Projekten. Stattdessen setzen Unternehmen, die langfristig Erfolg haben, auf überschaubare Anwendungsfälle, die getestet, optimiert und erst dann skaliert werden.
„Es ist kein One-Time-Job. Man muss kontinuierlich verbessern und immer wieder optimieren“, betonte Thomas Peyer.
Solche Pilotprojekte helfen, Risiken zu begrenzen, interne Akzeptanz zu fördern und Erfahrungen zu sammeln, die den Weg für grössere Vorhaben ebnen.
Gerald Kromer machte deutlich, dass Projekte ohne klaren Geschäftsnutzen oft schnell an Unterstützung verlieren. Entscheidend ist daher, von Beginn an messbare Ziele zu definieren, sei es Effizienzsteigerung, Compliance-Verbesserung oder neue Serviceangebote.
Auch Bettina Huwiler plädierte für Pragmatismus: Standardtechnologien können eine solide Basis bilden, während individuelle Anpassungen vor allem dort sinnvoll sind, wo sie echten Wettbewerbsvorteil schaffen.
Das Fazit: Klein anfangen, messbare Resultate erzielen, gezielt optimieren und dann Schritt für Schritt wachsen. Wer diesen Weg geht, legt die Grundlage für eine langfristig erfolgreiche KI-Strategie.
Unterstützung statt Ersatz: Wie Mensch und KI gemeinsam mehr erreichen
KI ist kein Ersatz für den Menschen, sondern sie unterstützt ihn. Sie analysiert große Datenmengen, erkennt Muster und übernimmt wiederkehrende Aufgaben. Der Mensch prüft die Ergebnisse, interpretiert sie und trägt weiterhin die Verantwortung.
Gerade in regulierten Branchen ist diese Zusammenarbeit entscheidend: KI kann etwa Kundenkommunikation vollständig auswerten oder regulatorisch relevante Vorgänge schneller identifizieren, als es manuell möglich wäre. Bettina Huwiler betonte im Roundtable, dass es darum geht, „Wege zu finden, wie Technologie und Mensch zusammenarbeiten und ein besseres Ergebnis generieren können“.
Ob als Assistenzsystem im Hintergrund oder als spezialisierte Lösung für einen konkreten Geschäftsprozess: Der grösste Nutzen entsteht, wenn Technologie und menschliches Urteilsvermögen bewusst kombiniert werden.
Fit für die Zukunft: Wenn Strukturen und Kultur mit KI Schritt halten
Technologie kann nur wirken, wenn auch Strukturen und Kultur Schritt halten. KI-Einführung verändert Abläufe, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege und erfordert manchmal sogar neue Rollen wie einen Chief AI Officer, der strategisch steuert und zwischen Management, Fachbereichen und IT vermittelt.
Ebenso wichtig ist eine Kultur, die Offenheit für Neues fördert. KI-Projekte bringen zwangsläufig eine Lernkurve mit sich und nicht jeder Versuch führt sofort zum Erfolg. Unternehmen, die eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung leben, profitieren doppelt: Sie lernen schneller und passen sich flexibler an neue Anforderungen an.
Wie im Roundtable deutlich wurde, braucht der Mensch oft mehr Zeit für Veränderungen als die Technologie. Change-Management, Schulungen und bereichsübergreifende Zusammenarbeit sind deshalb keine Nebenthemen, sondern entscheidende Erfolgsfaktoren für den langfristigen ErfolgDer ASC Roundtable zeigt: KI ist längst ein strategischer Erfolgsfaktor, besonders für Schweizer Unternehmen in regulierten Branchen. Die fünf Learnings zeigen, worauf es jetzt ankommt: Von einem klaren Blick auf Regulierung als Chance, über den schrittweisen Aufbau belastbarer Use Cases, bis hin zur richtigen Balance zwischen Technologie, Strukturen und Kultur.
Für Verantwortliche und Führungskräfte heisst das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um KI nicht nur zu diskutieren, sondern konkret einzusetzen.